Sonntag, 19. August 2012

Schokoladen-Rotweinkuchen

Im Voraus ein grosses Sorry für das nicht besonders tolle Foto, das dem Kuchen hoffentlich keinen Bärendienst erweist. Er hätte Besseres verdient. Aber was soll ich sagen, es war mehr als ein bisschen Ungeduld im Spiel und ich wollte nicht, dass ihn mir plötzlich jemand wegschnappt!

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Ich habe zu Hause kochen gelernt, bei meiner Mutter und meiner Grossmutter in der Küche, aber ich habe nie für meine Familie gekocht. Das scheint nur auf den ersten Blick ein Gegensatz zu sein. Meine Mutter war eine ausserordentlich gute Köchin, was sie ganz bestimmt von ihrer Mutter geerbt hat, aber auch eine so kritische Testesserin, dass wir uns als Kinder nach einigen Vorstössen an den Herd gehütet haben, je wieder etwas für die Familie zu kochen. Mein Vater war nicht minder kritisch und ausserdem gehörte bei ihm immer ein grosses Stück Fleisch zu einem anständigen Essen, was gerade in meinen Teenagerjahren nicht gerade das war, was ich, hätte ich denn selber wählen können, gekocht hätte. Die fleischlastigen Gerichte meiner Kindheit schienen mir damals sehr traditionell, um nicht zu sagen langweilig und einfallslos.

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Erschreckend, wie die Zeit vergeht: Heute ist Osso Buco ein selten gesehenes, beinahe exotisches Fleischgericht, das mein Herz höher schlagen lässt.

Jedenfalls bin ich von zu Hause ausgezogen, ohne je gross gekocht zu haben, und habe mich die ersten Jahre auf eigenen Füssen auch erst einmal ziemlich anders ernährt als während meiner Kindheit: Sauerkraut wurde mit Aubergine, Süsskartoffel und Kochbanane ersetzt, Currypulver und edelsüsser Paprika mit Kurkuma, Kardamom und Raz el Hanout, Suppenfleisch mit Kichererbsen, Tofu und Linsen. Statt Saucenkartoffeln gab es Quinoa, statt Petersilie habe ich Koriander darüber gestreut.

Mittlerweile baumeln meine beiden Beine auf beiden Seiten des Zauns: Die alten, guten, traditionellen Gerichte haben, mit dem Abstand von ein paar Jahren, wieder Einzug gehalten. Ganz weg waren sie nie, zu gut sind sie. Und ich staune, was ich alles passiv gelernt haben muss, ohne in meiner Kindheit gross selber Hand anzulegen. Aber auch die abenteuerlichen Gerichte, grad hier in Melbourne, wo die Auswahl an exotischen Zutaten schier unerschöpflich gross ist, sind geblieben. Neue kommen dazu. Alte werden verfeinert.

Und so gibt es bei mir drei Kategorien von Rezepten:

Die Bodenständigen:
Süssmostcrème nach dem Gotthelfkochbuch, Osso Buco, Sauerkraut, Chnöpfli (Spätzli), Rösti und Bratwürste, Brunsli, Älplermaggronen, Dampfnudeln, Kartoffelsuppe mit Greyerzer und Cervelat, Schweinsbraten, Torta di Pane, Kürbissuppe, Coq au Vin, Poulet aus dem Ofen usw.

Die Abenteuerer:
Laksa, Lachs mit Tomaten und Silberzwiebeln, Humus, Bohnendip mit Tahini und geräuchertem Paprika, Pavlova, Tahinigüetzi, Fenchelrisotto mit Wodka, Curries, Fischcakes mit Dipsauce, Tagines, chinesisches Ingwer-Knoblauch-Gemüse mit knusprigem Tofu, gerösteter Blumenkohl usw.

Die Klassiker mit dem Dreh:
Chasselas-Safran-Suppe, ganze Forelle aus dem Ofen, Spinat-Zitronenpesto, Rätechdip mit Knoblauch, gefüllte Gemüsezwiebeln, Lauchrollen mit Portweinsauce, Kartoffelsüppchen mit Trüffelöl, Randensalat mit geräucherter Forelle und Meerrettichschaum, Schokoladen-Rotweinkuchen, Sauerkraut-Lasagne mit Ziegenfrischkäse usw.

So viele Rezepte schwirren grad in meinem Kopf, die ich alle aufschreiben und mit euch teilen werde. Hm, das Aufschreiben. Wenn das nicht wäre, wäre meine Rezeptebox hier auf dem Blog bereits viel, viel voller. Dann fangen wir am Besten einfach an.


Klassiker mit Dreh: Schokoladen-Rotweinkuchen

Rezept leicht abgewandelt von Smitten Kitchen.


Dieser Kuchen ist extrem schnell gemacht und ist somit der perfekte Alltags-Schokoladenkuchen. Der Rotwein gibt ihm eine zusätzliche Geschmacksdimension. Je nach Stärke des Weins kann man ihn deutlich schmecken oder er hebt das Schokoladenaroma hervor, ohne selber allzu gross in Erscheinung zu treten (vor allem bei der Variante mit den Schokospänen). Ich habe den Kuchen am Donnerstag innerhalb von 55 Minuten zusammengerührt, gebacken und leicht auskühlen lassen, so dass ich ihn einpacken und mitnehmen konnte.


Zutaten

85 gr Butter, raumtemperiert
200 gr Zucker, weiss oder braun oder gemischt
2 Eier, raumtemperiert
180 ml Rotwein
1 Päckchen Vanillezucker
130 gr Mehl
40 gr Kakaopulver
2-3 El Schokoraspeln (wer es sehr schokoladig mag)
1 Tl Backpulver
1 Prise Salz

Puderzucker und griechischer Joghurt oder geschlagener Rahm zum Garnieren.

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Zubereitung

In einer grossen Schüssel die Butter und den Zucker mit dem Mixer gut verrühren. Die zwei Eier dazugeben und gut unterrühren. Rotwein und Vanillezucker dazugeben und wieder rühren. Keine Sorge, wenn die Masse nach diesem Schritt etwas gewöhnungsbedürftig aussieht.

Backofen auf 160 C vorheizen.

Mehl, Kakaopulver, Backpulver und Salz dazugeben (eventuell auf die Masse sieben, falls Klumpen im Mehr vorhanden sind) und zu 3/4 unterrühren. Den Rest von Hand (mit Schokoraspeln, wenn verwendet) unterheben.

Eine Springform einfetten und die Masse hineingiessen. Etwas glatt streichen. Auf der mittleren Rille für 25 bis 30 Minuten backen. In der Form 10 Minuten auskühlen lassen, danach mit einem Messer Rand und Boden ablösen. Mit Puderzucker bestäuben und mit Schlagrahm oder Joghurt servieren.

Kommentare:

  1. Genau für mein Repertoire: schnell und gut.
    Super, Helen , vielen Dank für die Idee.
    Die Tahini-Güezi sind übrigens wirklich oberguet (ausprobiert als Mitbringsel für die KUW-Schüler bei ihrem Wahlfachkurs "Kochen wie zu biblischen Zeiten", bei dem ich zum Essen eingeladen war). Ein absoluter Renner! Nächstes Mal versuche ichs mit Kaffee...

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  2. Liebe Helen, am Mittwoch ziehen wir endlich endlich um und wenn ich dann meine Küche wieder habe, backe ich diesen Kuchen, Diät hin oder her :)

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    1. Hehehe, oder ich backe ihn für euch, wenn wir zu Besuch kommen. Der geht so schnell, das krieg ich locker hin ; )

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  3. Ohhh man ich suche schon sooooo lange diese Zuckerwatte, aber hier in Deutschland leider nicht zu bekommen :(.
    Die schocke kann ich nur empfehlen zumindest kann ich mich erinnern das ich diese mit 12 toll fand, leider habe ich mit meiner damaligen Freundin nichts mehr zu tun sonnst könnte ich sie anbetteln das sie mir welche mitbringt^^, das ist aber jetzt auch 15 Jahre her. Wünsche Euch aus dem verregneten Deutschland guten appetit. Gruß Sabrina aus Darmstadt!

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  4. Meinst du diese Persische Zuckerwatte?

    http://helenjonas.blogspot.com.au/2012/01/this-kitchen-is-up-to-something.html

    Ich kenn mich da jetzt nicht super aus, aber gibt es in Deutschland nicht türkische Spezialitätengeschäfte? Da würd ich vielleicht mal schauen. Wer weiss...

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