Dienstag, 24. Mai 2011

Von Fascinatorn und Shortheels

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The horse race gang: Toni, links, hat uns mitgenommen in den "Jugendklub" beim Flemington Race Corse. Er ist da Club-Mitglied und hat uns souverän reingeschleust. Zum Glück hat er auch nicht vergessen, uns mit Pferderennen nicht so vertrauten Personen den Dresscode zu schicken: Die Herren dürfen die Jacketts erst ausziehen, wenn es entweder über 35 °C heiss ist oder der Chef des Pferderennens sagt, dass man nun darf. Ohne Krawatte wird Mann gar nicht erst hineingelassen. Die Frauen dürfen zum Beispiel keine Leggins tragen. Und irgendwo muss ich wohl übersehen haben, dass mindestens 10 cm hohe Absätze vorgeschrieben waren. Jedenfalls war ich die einzige mit nur 5 cm.

Vielleicht kann man es schon ahnen: Es geht bei diesem Anlass für die Meisten eher nicht um Pferde.

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Die Pferde rennen auch so schwindlig schnell, dass sie immer schon wieder vorbei sind. Toni meinte, dass sie über 60 km/h rennen. Hinten fährt die Ambulanz, falls was passiert.

Es donnert ganz schön, wenn die Vicher an einem vorbeigaloppieren. Das merkt man allerdings nur, wenn man unten im Rasen steht, das Pferderennen ernst nimmt, sich zu den Pferden Notizen macht und nicht so chic angezogen ist. Oben auf der verglasten Membertribüne meint man, die Pferde würden vor einem durchgleiten. Obwohl ich den Eindruck hatte, dass die Melbourner Schickeria eher wegen der Cüpli und den Häppchen und dem Sehen und Gesehen werden gekommen ist, schwoll der Lärmpegel doch immer beeindruckend an, wenn die Pferde gerade mal wieder auf unserer Seite des Parcours waren.

Dabei können die doch das durch die Scheibe gar nicht hören.

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Man verlustiert sich unter den Bildschirmen mit den Rennergebnissen.

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Will und Sally, die Engländer, haben das Pferderennen im Blut. Will soll der einzige der Gruppe sein, der später einen anständigen Batzen gewinnt. Weil er auf Rain Shadow setzt. Weil er ein Klimawissenschaftler ist.
Man beachte: Sally hat einen professionellen Fascinator. Also das Ding im Haar. Die meisten Frauen an der Veranstaltung haben sich sehr stark am Royal Wedding orientiert. So kann man die wahren Afficionados  erkennen. Also Afficionados auf das Sehen und gesehen werden bezogen.

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Die Gang mit weiblicher Begleitung und bereits einem kleinen Blaustich. Man beachte: Wir sind fast die einzigen, die auf der Tribüne sitzen. Die anderen trinken alle oben Cüpli. Toni (wahrscheinlich Tony) hat sogar die Zeitungsseite mit den ganzen bisherigen Resultaten der Pferde in der Hand. So erkennt man den Afficionado der anderen Sorte. Afficionado bezogen auf die Rennpferde.

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Gayle, ohne Fascinator. Sie ist Irin und war dort in der Pferderennszene. Und zwar bei den Leuten, die untern standen, die Pferde begutachteten und meist auch schon an den vorangehenden Wochentagen auf der Rennbahn standen, um zu beobachten, wie die Pferde trainierten. Wegen Gayles Jeans-und-Gummistiefel-Vergangenheit auf der Rennbahn war ich nicht die einzige, die etwas unterdressed oder short-heeled war. Also wie das Gegenteil von high-heeled.

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Vom "Jugendclub" des Flemington Race Corse hat man einen wunderschönen Blick auf die Skyline. Da wohnen wir also. In dieser Riesenstadt.

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Ok, ok, ich brauche dringend ein neues Kleid. Ich kam mir vor wie aus der Pionierzeit. Direkt aus der Pionierschule. Und ca. 28 Jahre älter, als ich die tollen Fotos von mir gesehen habe: Ich hatte das hochgeschlossenste Kleid auf der ganzen Veranstaltung, dazu das längste (ausser eine, die ein violett-pink-silbernes Abendkleid trug) und die kleinsten Absätze. Ach so, das wisst ihr schon?

Jonas war es sogar ein bisschen peinlich, mit mir zu posieren, wie man auf dem Bild gut sehen kann.

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Aber dafür hatte ich einen einigermassen akzeptablen Fascinator, zumindest für eine Anfängerin. (Obwohl, man kann da auch anders. Alles da, alles gesehen.) Und mehr Mut zum Wetten. Auch wenn es überhaupt nichts gebracht hat.

Kommentare:

  1. :) kugelt sich vor lachen:)

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  2. Hihihihi....Pass auf deine Sehnen und Bänder auf, falls du doch noch auf High-heels (?) umsteigen möchtest.
    Etwas weniger gefährlich ist es mit der Kopfbedeckung, die auf jeden Fall etwas ausgefallener sein kann.
    Es muss ja auch nicht teuer sein, aber man kann gut auch Alltagsgegenstände zweckentfremden. Philip Treacy (http://www.philiptreacy.co.uk/) macht es auch nicht anders (der musste ja schliesslich die halbe Königliche Hochzeit einhuten, da gehen auch dem berühmtesten Designer die Ideen aus..)
    Also das nächste mal klebst du dir einfach einen bunten Teller oder ein Palmenblatt an die Stirn und hast sofort einen Fascinator!!!

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  3. :-) Fascinating, indeed!

    Aber bis zum 'toilet seat fascinator' / 'Klobrillen-Hut' von Princess Beatrice am Royal Wedding ist es zum Glück noch ein weiter Weg. (Der war - so scheint's - auch von Philip Treacy.)

    Falls ihr es verpasst habt: http://tinyurl.com/5rgj64h

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  4. Dieser Philip Treacy hat's wohl faustdick hinter den Ohren (oder auf dem Kopf!). Zum Glück verdiene ich noch nicht ganz so gut, dass ich da in Versuchung kommen würde.... Aber vielleicht kann ich ja mit dem Pflänzlihut für 2.50 von der Blumenbörse in Bern einen neuen Trend setzen, ich muss den demnächst mal mit einem Kleid kombinieren.

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  5. A propos: Dani, warst du am Ascot-Rennen? Da soll das auch ganz hübsch sein mit den Fascinatorn. Übrigens durchaus auch für Männer geeignet. Sagt der Bund: http://www.derbund.ch/leben/gesellschaft/Ascot--und-alles-wird-Hut/story/17080387

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  6. hihi, die Hüte sehen ja zum brüllen aus, und die Herren scheinen tatsächlich aufzuholen. Not quite my cup of tea. Leider war ich nicht da, mein Stresemann war gerade in der Reinigung... ;)

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